Chronik des MSC Grötzingen im ADAC e.V.

Man schreibt das Jahr 1954. Die Wunden des zweiten Weltkrieges beginnen zu vernarben und die Währungsreform hat das deutsche Wirtschaftswunder eingeleitet. In der Bundesrepublik sind zu jener Zeit ca. 4 Mio. Kraftfahrzeuge zugelassen. Auch in Grötzingen nimmt die Motorisierung ständig zu. Auf unseren Strassen herrschen die Motorräder, die Vespas, die Goggomobile und die Leukoplastbomber Lloyd.

In dieser Zeit sitzen im damaligen Kaiserhof vier Männer zusammen und besprechen, wie man einen Verein gründen könnte, der den Motorsport und die Kameradschaft zum Ziel hat. Es sollten Schulungsabende über Kfz-Technik und Verkehrsrecht abgehalten werden und gemeinsame Ausfahrten, Orientierungs- und Bildersuchfahrten sowie Geschicklichkeitsturniere veranstaltet werden.

Diese vier Männer sind Horst Michel, Walter Klügl, Heiner Keppler und Samuel Daubenberger. Sie tragen den Gedanken weiter und am 12. April 1954 treffen sich im damaligen Gasthaus Zum Engel 35 Interessierte mit dem Ziel, einen Motorsportclub zu gründen. Dieser soll auch dem ADAC angeschlossen sein. Da beginnen die ersten Schwierigkeiten. Die ADAC-Satzung schreibt vor, dass mindestens 50 ADAC-Mitglieder dem Verein angehören müssen, wir haben aber nur 5! Man beschließt daher, sich als Unterabteilung dem schon bestehenden AMC Albgau Ettlingen anzuschließen, mit der Auflage, dass die Grötzinger ihre Selbständigkeit behalten.

Am 12. April 1954 wählt die Unterabteilung Grötzingen die erste Vorstandschaft.
1. Vorsitzender: Heinrich Müller
2. Vorsitzender: Horst Michel
Walter Klügl, Erwin Volz, Heinrich Keppler, Samuel Daubenberger, Gerhard Jordan und Werner Arheidt
Erste Familienfahrten werden unternommen. Motorräder bzw. Motorroller und Pkws halten sich die Waage. Man beginnt fleißig für den ADAC zu werben und so konnte Horst Michel am 27. Februar 1955 bekanntgeben, dass die Unterabteilung des AMC Albgau Ettlingen 50 ADAC-Mitglieder hat. Es wird beschlossen, die Unterabteilung aufzulösen und sich selbständig zu machen.

Anlässlich der Mitgliederversammlung am 2. April 1955 äußert sich der amtierende Geschäftsführer des ADAC Nordbaden, Herr Dr. Keidel, anerkennend über unseren schnellen Zuwachs an Mitgliedern. Es ist wohl einmalig, dass ein Ortsclub die Anzahl der ADAC-Mitglieder binnen eines Jahres verzehnfacht. Der MSC Grötzingen im ADAC e.V. ist gegründet und selbstständig. Die Vorstandschaft setzt sich aus Horst Michel, Kurt Arheidt, Reinhold Vortisch, Erich Hüttner, Werner Arheidt, Erwin Volz, Richard Wössner, Hans Keppler, Wendelin Schwan, Dr. Ehrhardt, Oskar Doll und Siegfried Hafner zusammen.

Am 10. Juli 1955 findet die erste Bildersuchfahrt des MSC Grötzingen statt. Die Fahrtstrecke führt vom Niddaplatz über den Turmberg nach Stupferich, Söllingen, Wössingen, Weingarten und wieder zurück nach Grötzingen.

In der Folgezeit erringen viele Sportfahrer des MSC Grötzingen im ADAC e.V. – überwiegend die Motorradfahrer – große Erfolge. Von vielen Sternfahrten, Bildersuchfahrten und Zielfahrten mit interessanten Punkten kehren die MSCler nicht nur mit Pokalen und Preisen heim, sondern auch mit dem Gefühl der Zusammengehörigkeit und Kameradschaft.

Konrad Beige erringt 1959 bei 10 Starts im Motorradgeländesport 8 x eine Goldmedaille und eine Bronzemedaille. Er wird deutscher Vizemeister.

In den 60er Jahren wird man mobiler und der jährliche Besuch des Schauinsland-Bergrennens zum festen Bestandteil des Clublebens. Konrad Beige bekommt vom ADAC das goldene Sportabzeichen verliehen und kann bei der internationalen Sechs-Tage-Fahrt eine Bronzemedaille erringen.

1968 kriselt es im Verein. Zwischen einzelnen Mitgliedern kommt es zu Unstimmigkeiten, sie verlassen den Verein und gründen die Motorsportfreunde Grötzingen. Dieser Verein wird vom ADAC jedoch nicht als Ortsclub anerkannt und schließt sich dem AvD an.

In den 70er Jahren wird der von der Gemeinde errichtete Turnierplatz im Sportzentrum Grötzingen dem MSC zur Durchführung von Veranstaltungen überlassen, ebenso eine Fertiggarage als Lager für das inzwischen umfangreiche Gerät. Der Ortsverwaltung sei hier nochmals gedankt.

Im Jahr 1970 findet der erste Automobilslalom des MSC Grötzingen auf dem Messplatz in Karlsruhe statt.

Der Turnierplatz im Sportzentrum Grötzingen wird im Jahr 1974 fertiggestellt und dem MSC Grötzingen zur Durchführung von Veranstaltungen überlassen.

Am 15.01.1976 wird Hans-Dieter Müller zum 1. Vorsitzenden des Clubs gewählt.

Im Jahr 1979 blickt der MSC stolz auf sein 25-jähriges Bestehen zurück. Wir feiern 5 Tage mit großem Aufwand, großem Festzelt und noch größerem Arbeitseinsatz.

Der Verfasser der Chronik, zu diesem Zeitpunkt Richard Wössner, schließt die Chronik mit den Worten:
„Rückblickend kann dem Jubiläumsclub bestätigt werden, dass trotz einiger Rückschläge eine stete Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen war. Den Männern der ersten Stunde sei Dank für ihre Initiative. Der heutigen Vorstandschaft, welche hauptsächlich aus jungen Leuten besteht, möge beschieden sein, dass vor einem Vierteljahrhundert begonnene Werk zu bewahren und fortzusetzen, damit der MSC Grötzingen ein fester Bestandteil des Grötzinger Vereinslebens bleibt.“

Mit der Zunahme der Motorisierung in den 80er Jahren ändert sich as Veranstaltungsprogramm des MSC Grötzingen im ADAC e.V. Es werden zusätzlich zu den bereits genannten Veranstaltungen Rallyes und Automobilslaloms durchgeführt und der MSC Grötzingen wird zu einem der aktivsten Motorsportclubs im Kreis Karlsruhe. Dies bedeutet natürlich sehr viel persönliches Engagement unserer Mitglieder.

In dieser Zeit werden auf unserem Turnierplatz, in Zusammenarbeit mit dem ADAC, auch Tacho-, Bremsen- und Scheinwerferprüfdienste angeboten. Leider hat der ADAC diese mobilen Prüfdienste in Stadtgebieten eingestellt.

In Zusammenarbeit mit der Schule werden Fahrradturniere organisiert, für die Mitglieder und Freunde des Vereins werden Sicherheitstrainings angeboten.

Die Umweltbewegung gewinnt deutlich an Sympathien, was den Motorsport immer mehr zu einer Randsportgruppe macht. Der Erklärungsbedarf, warum man diesen Sport ausübt, wird immer größer und die Genehmigung von Motorsportveranstaltungen immer schwieriger.

1989 werden die Aktivitäten im Bereich der Durchführung und Organisation von Rallyes eingestellt, da es zunehmend organisatorische und genehmigungsrechtliche Schwierigkeiten gibt. Hans-Dieter Müller ist weiterhin 1. Vorsitzender. Der Schwerpunkt wird nun auf die Durchführung von Automobilslaloms gelegt, die auf dem Messplatz in Karlsruhe durchgeführt werden. Rechtzeitig zum 40-jährigen Bestehen des MSC Grötzingen werden die jahrelangen Bemühungen belohnt. Wir werden mit der Durchführung des Endlaufes zur Deutschen Slalommeisterschaft 1994 beauftragt. Dies war leider auch der letzte durchgeführte Automobilslalom, da die Stadt Karlsruhe den Messplatz nicht mehr zur Durchführung von Motorsportveranstaltungen an uns vermieten wollte; die Suche nach akzeptablen Alternativen war erfolglos und so wurde beschlossen, den Automobilslalom von zukünftigen Veranstaltungskalendern zu streichen.

Im September 1990 wird die Jugendkartgruppe des MSC Grötzingen gegründet. Hier wird Kindern und Jugendlichen ab dem 7. Lebensjahr die Möglichkeit gegeben mit motorbetriebenen Karts in den Motorsport einzusteigen. Nach kurzer Zeit hat Jugendleiter Michael Tropschug 14 Mitglieder in seiner Gruppe.

1991 ist das Jahr der großen Aktivitäten in Grötzingen, denn das badische Malerdorf feiert seinen 1000sten Geburtstag. Wo immer möglich und von der Ortsverwaltung angefragt, ist der MSC aktiv. Man präsentiert sich im Rahmen der gebotenen Möglichkeiten und beteiligt sich aktiv an der Festzeltbewirtung.

Im Oktober 1998 wird Nico Schneider Deutscher Meister im ADAC Jugendkartslalom seiner Altersklasse; die Jugendarbeit und die damit verbundenen Investitionen haben sich ausgezahlt. Jugendleiter ist Dirk Übelhör, der 1996 das Amt von Michael Tropschug übernommen hat. Die Jugendgruppe des MSC Grötzingen ist auch heute noch der aktivste Teil des Clubs, geleitet von Peter Losert hat man jedes Jahr mindestens einen Starter bei der Deutschen Meisterschaft.

Hans-Dieter Müller bekommt 1999 im Rahmen eines Festaktes die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg für langjährige Verdienste in der ehrenamtlichen Vereinsarbeit verliehen. 2001 ist er seit 25 Jahren 1. Vorsitzender des MSC Grötzingen.

Das Clubleben und die Durchführung von Motorsportveranstaltungen bilden immer noch den Mittelpunkt der Vereinsaktivitäten, so werden im Bereich Motorsport Automobil-Geschicklichkeitsturniere, Motorradslaloms und Jugendkartslaloms durchgeführt. Für das aktive Vereinsleben bieten wir unseren ca. 160 Mitgliedern Maiwanderungen, Motorradausfahrten, Indoor-Kartfahren, Clubausflüge, Winterfeier und das seit 1980 durchgeführte Rettichfest.

2004 -nach 50 Jahren- ist der MSC Grötzingen immer noch ein fester Bestandteil des Grötzinger Vereinslebens und der Wunsch des Chronisten Richard Wössner hat sich erfüllt.

Die Vorstandschaft im Jubiläumsjahr sind:

1. Vorsitzender:                              Hans-Dieter Müller
 2. Vorsitzender:                             Matthias Götz
 Sportleiter:                                    Andreas Arheidt
 Schatzmeister:                               Ralf Müller
 Vergnügungswart:                          Dieter Herbold
 Referent für Öffentlichkeitsarbeit:    Dietmar Böckle
 Schriftführer:                                 Dirk Übelhör

Abschließend bleibt dem Fortschreiber der Chronik festzustellen, dass sich der MSC Grötzingen in den vergangenen 50 Jahren immer weiterentwickelt hat und nie stehen geblieben ist. Wir bedanken uns bei denen, die die Notwendigkeit gesehen haben einen Motorsportclub zu gründen und bei denen, die es bis heute geschafft haben, den MSC Grötzingen aktiv in das Vereinsleben von Grötzingen zu integrieren und zu erhalten.

Wir wünschen denen, die in 25 Jahren die nächste Chronik zu schreiben haben -vielleicht sind es wir ja selbst- dass diese positive Entwicklung anhält, der MSC Grötzingen ein aktiver und moderner Club bleibt, ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens Grötzingens ist und weiter erfolgreiche Nachwuchsarbeit geleistet wird.